Kuratiert von Johannes Rauchenber, Astrid Kury und Hannes Galter  

Mit der Reihe „IM BRENNPUNKT – Europa“ wird  eine schon lange bestehende Essay- und Vortragsreihe nun auf den Brennpunkt Europa fokussiert.

 

EUROPA – darf man dieses Feld nur den Populisten mit ihrem schamlosen Ausnützen der Ängste des kleinen Mannes und der kleinen Frau, den Kleingärtnern rund um ihre eigene Haustür (dazu zählen auch Parteien) oder den Reiseveranstaltern für Billigflüge überlassen? Sind diejenigen, die „Europa“ als das große Friedensprojekt in den Mund nehmen, nur mehr jämmerliche Moralisten, denen der Strom der Zeit längst entglitten ist? Immer noch fehlt ein Forum für eine qualitätvolle Kritik am Projekt Europa – in einer kritischen Phase: Steht das Projekt Europa kurz vor seinem Scheitern? Oder doch nur an einem Wendepunkt?


 

 

 

 

 

Unterschiedliche und offene Debatten sollen angestoßen werden. Visionäre, ernstlich Besorgte, Mobilitätsbegeisterte, Großdenker, Kaufleute und Kleindenker sind willkommen, sich mit ausgewiesenen Referenten auseinanderzusetzen. Zum Beispiel: Welche wichtigen Fragen die Wirtschaftskrise aufgeworfen hat. Was es denn mit dem europäischen Wertekanon auf sich hat. Warum wir uns das Abendland nennen. Was wir uns vom amerikanischen Traum abschauen könnten. Warum wir die Inder in ihrem Stolz auf die größte Demokratie beneiden könnten. Und was bei diesem Blick über den Zaun das europäische Handeln und Bewusstsein kennzeichnen könnte – nicht zuletzt auch in den brennenden Fragen, die über die Festung Europa hinausgehen – ökologische Krisen, Migration, Ressourcengerechtigkeit, Fundamentalismus und Intoleranz. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus vor 20 Jahren scheint nun die neoliberale Ideologie endgültig einzubrechen – das ist die Lehre der Wirtschaftskrise des letzten Jahres. In welche Richtung aber geht es nun? Die vergangenen Wahlen haben einen Rechtsruck dokumentiert, der schon seit längerem in ganz Europa spürbar ist. Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus werden immer manifester. Was ist passiert, warum und wohin steuert Europa?

 

 

 
 


MO 12. Oktober 09 19.30 Uhr
Kleiner Minoritensaal, Mariahilferplatz 3

 

IM BRENNPUNKT EUROPA I
OTTO KALLSCHEUER: ZUR ZUKUNFT DES ABENDLANDES

Moderation: UProf.Dr. Rainer BUCHER
 

Vortrag und Diskussion

Beitrag nachzulesen >>

 

 

 

Otto Kallscheuer, Politikwissenschaftler und Philosoph, eröffnet die neue Reihe, die zentrale Debatten zum abendländischen Erbe in den Blick nimmt: Fest steht, dass sich Europäer viel eher über ihre Ängste verständigen können als auf eine gemeinsame Identität. Darüber vergessen sie leicht ihre Geschichte. Doch die Zukunft des Abendlandes ist älter als der Mauerfall vor 20 Jahren, älter auch als der Kalte Krieg.
Als die Osteuropäer nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in die Europäische Gemeinschaft aufgenommen werden wollten, waren ihre westlichen Nachbarn nicht wirklich begeistert. Nachdem nun auch noch die Türken behaupten, sie gehörten mit dazu, suchen sogar Ungläubige nach Europas christlichen Wurzeln. Zudem hat Europas Wirtschaftsunion Gegenwind bekommen: von den asiatischen Tigerstaaten mit ihren imposanten Wachstumsraten. Ein souveränes Machtzentrum können die vereinigten europäischen Staaten bis heute nicht vorweisen. Kein Vergleich mit der transatlantischen Bruder- und Supermacht im Westen. Doch dies, so belegen Otto Kallscheuers Essays zu den kulturellen und religiösen Traditionen des Abendlandes, muss kein Standortnachteil sein. Pluralismus und Multilateralismus sind schließlich Tugenden, die wir im neuen Jahrtausend noch brauchen werden. Nicht nur in Europa.

 
 


MO 23. November 09 19.00 Uhr
Kleiner Minoritensaal, Mariahilferplatz 3

 

IM BRENNPUNKT EUROPA II
FÜHRERSEHNSUCHT UND FREMDENANGST. Österreich und "die Anderen"
 

Vortrag und Diskussion mit
UProf. Regina POLAK, Wien >>

 

 

Die großen Herausforderungen der Zukunft sind nur im globalen und europäischen Horizont anzugehen und zu lösen. Umso erschreckender sind so manche Entwicklungen der Werthaltungen von Österreicher/innen: steigende Fremdenfeindlichkeit, zunehmende Sicherheitsorientierung im Verein mit einer Einengung des Lebenshorizontes auf Familie und Heimat. Ausgehend vom Befund der Österreichischen Wertestudie 2008 werden Denk- und Handlungsperspektiven für die Zukunft entwickelt und zur Diskussion gestellt.